Im Wein liegen produktiv machende Kräfte bedeutender Art
Dass irgendetwas Positives am Wein dran sein muss, beweist Deutschlands Grösster, der Dichter und Zecher Goethe. Schließlich hat Johann Wolfgang, wie aus einem Briefwechsel hervorgeht, seinem Freund Eckermann geschrieben, "es liegen im Wein produktiv machende Kräfte sehr bedeutender Art".
Livia, die Gattin des römischen Kaisers Augustus soll, so berichtet Horaz, ihr langes Leben - sie wurde 86 Jahre alt - auf den Genuss des Weines aus der Gegend von Aquileia zurückgeführt haben.
Dass jenes uralte Genussmittel mehr könne, als nur zu schmecken, den Geist zu beflügeln und gute Laune zu erzeugen, betonte auch Dr. Claudia Stein-Hammer von der Deutschen Wein-Akademie in Mainz auf einer Veranstaltung der Akademie und der "Ärzte Zeitung" in dem Weinörtchen Eltville am Rhein.
Das Besondere am Wein sind all jene Inhaltsstoffe, Polyphenole und Bioflavone, die, wie viele experimentelle Studien ergeben haben, antioxidativ wirken. Die Inhaltsstoffe Quercitin und Resveratrol vermindern zudem die "Bildung gefässverengender Thromboxane und führen durch eine vermehrte NO-Freisetzung aus dem Endothel zu einer Gefässrelaxation". Im weiteren ergab eine Analyse auch, dass Rotwein mehr zyklische Polyphenole, vor allem Flavonoide, enthält als Weiswein.
Worauf es aber ankommt, ist die Menge des Weines, die getrunken wird. Wer "massvoll trinkt, den Wein geniesst, fördert seine Gesundheit, wer säuft, schadet ihr", sagte auf der Veranstaltung in Eltville hierzu Professor Hans-Rüdiger Vogel, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Wein-Akademie und Ehrenvorsitzender des BPI. Alles lesen...
Denn nur ein täglicher Weingenuss mit etwa 20 bis 40 Gramm ist, so einige wissenschaftliche Daten, gut fürs Herz und die Gefässe. Und: Wer maßvoll trinkt, lebt nach den wissenschaftlichen Daten möglicherweise sogar gesünder als reine Abstinenzler. Allein wer mehr trinkt, also säuft, lebt gefährlich: Er hat dann ein Risiko, das über dem eines Abstinenzlers liegt.
Maßvoll sind nach Aussage von Vogel für Frauen täglich etwa 20 bis 30 Gramm Alkohol - das entspricht etwa maximal zwei Gläsern Wein. Für Männer sind es immerhin 30 bis 40 Gramm Alkohol täglich, also etwa zwei bis drei Gläser des Rebensaftes.
So ganz bewiesen ist das mit dem protektiven Effekt des moderaten Weingenusses zwar nicht. Aber sicher ist, dass schon die alten Römer den Verdacht hatten, der Wein habe gewisse positive, etwa die Karriere fördernde Wirkungen. So soll, glaubt man Plinius, Kaiser Tiberius, selbst ein großer Trinker, einen Zechgenossen wegen dessen Trinkleistung zum Stadtpräfekten erhoben haben. Und der angeblich größte Trinker seiner Zeit, ein gewisser Torquatus aus Mailand, der seine Trinkfestigkeit dem Kaiser vorgeführt hat, ist daraufhin Prokonsul geworden...;-)